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Erfurt: 200 Jahre Stadtentwicklung im Spiegel Topographischer Karten

H.-H. Meyer (2005):
Erfurt: 200 Jahre Stadtentwicklung im Spiegel Topographischer Karten


Der 2005 in der Reihe „Landschaftsarchitektur quo vadis“  erschienene Aufsatz zeichnet anhand von Grundrissen ausgewählter historischer Topographischer Karten (1798, 1853, 1873, 1936, 1998) die Entwicklung der Stadt Erfurt von der unbedeutenden kurmainzischen Verwaltungs- und Garnisonstadt über die gründerzeitliche Industriestadt bis hin zur modernen Landeshauptstadt nach. Der gravierende funktionale Wandel und der gleichzeitige enorme Bevölkerungszuwachs, ausgelöst durch die Stufen des Industrie-, des Verkehrs- und schließlich des Dienstleistungszeitalters, spiegeln sich im Grundriss der Stadt lehrbuchartig wider.

Ausgehend vom mittelalterlichen Stadtkern, dessen Umwallung und Mauerring nach der Reichsgründung beseitigt werden, folgen nach außen ausgedehnte schachbrettartige Wohnquartiere der Gründerzeit mit den charakteristischen Mehrfamilienhäusern in Blockrandbebauung. ln nur 60 Jahren mehr als verdreifachten sich die Einwohnerzahlen Erfurts, nachdem das Bauverbot in den Feldmarken aufgehoben wurde: von 40 000 (1871) auf rund 140 000 (Anfang der 30er Jahre).

Im Erfurter Süden und Südwesten wuchsen in jener Zeit bürgerliche Wohnviertel heran, die mit ihren Stadtvillen und komfortablen Mehrfamilienhäusern in attraktiver Lage zu Füßen des Steigerwaldes heute noch zu den begehrtesten Adressen Erfurts gehören. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts fanden auch neue Ideen von fortschrittlichen Architekten und Planern ihren Niederschlag in der Stadtentwicklung. Als Reaktion auf die damalige Wohnungsnot bebaute man Straßenzüge seit Ende der 1920er Jahre mit mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern im Stil der „Neuen Sachlichkeit", deren Vorbilder in den norddeutschen Hansestädten zu finden waren (deshalb: „Hanseviertel"). Auch die „Gartenstadt''-Bewegung schlug in Erfurt ihre Wurzeln. Ferner prägen ausgedehnte Park- und Grünanlagen die Stadt. Die Nachkriegszeit wird durch die typischen  Plattenbausiedlungen dokumentiert, wie sie in nahezu allen großen Städten der ehemaligen DDR zu finden sind. Die Nachwendezeit drückte durch den individuellen Wohnungsbau und die wachsenden Gewerbezentren am Rande der Stadt ihren Stempel auf.


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