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Kulturlandschaftsforschung im regionalen und europäischen Kontext

Kulturlandschaftsanalyse in der Gemeinde Bechstedt

Projekt im Master-Studium

Leitung: Prof. Dr. I. Marschall, Prof. Dr. H.-H. Meyer, Dr. Thomas Büttner

Im Sommersemester 2014 stand der kleine Ort Bechstedt-Trippstein, südwestlich von Rudolstadt, im Fokus eines spannenden Geländeprojektes des Master-Studiengangs Landschaftsarchitektur. Eine 12-köpfige Studentengruppe, bestehend aus Studierenden der Vertiefungsrichtungen „EU-Umweltrichtlinien und Kulturlandschaftsentwicklung“ sowie „Freiraumplanung, Gartendenkmalpflege“ , sollte eine Kulturlandschaftsanalyse des Ortes vornehmen.

Ziel war, methodische Kompetenzen der Erfassung, der Aus- und Bewertung von historischen Kulturlandschaften an einem Beispiel einzuüben. Darüber hinaus sollten Methoden der Leitbild-, Szenario- und Maßnahmenentwicklung eingeübt und der kommunikative Austausch mit den lokalen Akteuren trainiert werden. Eine abschließende Präsentation und Diskussion der Ergebnisse im Planungsraum bildete den Abschluss der Projektarbeit, die zahlreiche neue Erkenntnisse zur Entwicklung der regionalen Kulturlandschaft einbrachte.

Bechstedt-Trippstein liegt am Rande des Thüringer Schiefergebirges und unweit des Schwarzatales eingebettet in eine malerische Hügellandschaft auf einer Höhe von ca. 370 m ü. NN. Die Gemeinde hat rund 160 Einwohner. 

Um einen ersten Überblick über die besonderen landschaftlichen Strukturen und Potenziale zu bekommen, wurden zu Beginn des Projektes zunächst alle verfügbaren historischen und naturräumlichen Kartenwerke mittels GIS ausgewertet. Erfasst wurden beispielsweise der geologische Untergrund, die Boden- und die Potentiell-Natürlichen Vegetationsverhältnisse, das Gewässernetz. Besondere Beachtung fanden  die ortsprägenden historischen Kulturlandschaftselemente und historischen Nutzungen, die aus den alten Karten und Plänen übernommen und dabei lagegenau digitalisiert wurden. Nach der Vorbereitungsphase schloss sich eine zweitägige Vor-Ort-Kartierung an, bei der die heute noch vorhandenen Kulturlandschaftselemente historischer Prägung im Dorfkern und in der Gemarkung aufgenommen wurden. So ließ sich vergleichen, was heute an Historischem noch vorhanden und was verloren gegangen ist. Gespräche mit Zeitzeugen, regionalen Akteuren und Landwirten verdichteten und veranschaulichten die aus Karten und Geländebefunden gewonnenen Informationen.

Im Einzelnen widmeten sich die Studierenden gruppenweise folgenden Themen:

  • Historische Siedlungsstrukturen (z.B. dorfbildprägende Gebäude und bauliche Details, Verwendung von lokalen Natursteinen)
  • Streuobst (Kartierung der Vielfalt an über tausend Obstgehölzen in der Flur; Lokalisierung mittels GPS)
  • Historische Flächennutzungen (z.B. Wässerwiesen und Ackerterrassen, Lehmgruben, Steinbrüche)
  • Nutzungswandel (Karten- und Luftbildanalyse der Flächennutzungen um 1800, 1850, 1938, 1953, heute)
  • Wald- und Jagdgeschichte (Spuren historischer Waldnutzungen, fürstliches Jagdrevier, Fasanerie)
  • Assoziative Orte (Liebesinsel, Dorflinde, Postkartenblicke, Geschichten und Legenden).

Ein Archivbesuch auf der Heidecksburg in Rudolstadt ermöglichte zudem interessante Einblicke in die historischen Bestände des Thüringer Staatsarchivs.

Die Ergebnisse der Projektarbeit wurden am 30.07.2014 auf dem KulturNaturHof in Bechstedt, dem Kooperationspartner und idealen Gastgeber vor Ort (Dr. Burkhardt Kolbmüller), vor zahlreich erschienenen Besuchern präsentiert.

Den Projektbericht mit vielen Karten und umfangreichem erklärenden Textteil finden Sie in den unten stehenden pdf-Dateien.

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